Navigation überspringen Sitemap anzeigen

Orthopädische Elemente Was wirkt wo und wie?

In der Orthopädieschuhtechnik verwenden wir verschiedene Techniken. Bei der Fußuntersuchung genauso wie bei der Korrektur und Entlastung der Füße. Sozusagen unsere Wissens-Werkzeug-Kiste! Hier wollen wir einen kleinen Auszug aus dieser Werkzeugkiste vorstellen: einige orthopädische Elemente.

Unter orthopädischen Elementen verstehen wir Stützen, Polsterungen, Versteifungen, … die in einem bestimmten Bereich des Fußes auf der Einlage oder im Schuh angebracht werden und dort eine Veränderung herbeiführen. Formgebung, Höhe und Härtegrade bestimmen die genaue Wirkung des Elementes. 

Vorfuß

Gerade im Vorfuß entstehen aufgrund von verschiedenen – oft einseitigen – Belastungen viele Probleme, die noch dazu sehr schmerzhaft sein können. Wir versuchen, mit einer großen Auswahl an Möglichkeiten diese Probleme ernst zu nehmen und mit vielen Elementen, die individuell und punktgenau gestaltet werden, Abhilfe zu schaffen.

Zehenkeil

für streckung & Entlastung

Der Zehenkeil liegt im vorderen Teil der Einlagen, unter den Zehen. Er kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Je nach Zweck und Fuß unterscheidet sich Form, Steigung und Position.

  • zur Streckung der Zehen bei beginnenden, leichten Hammerzehen,
  • zur Entlastung der Zehenspitzen bei starken Krallen- und Hammerzehen, um Druckschmerzen in diesem Bereich zu reduzieren oder zu verhindern.
  • zur Entspannung der Wadenmuskulatur, wenn Verkürzungen im Achillessehnenbereich vorhanden sind, wie oft bei Fersensporn, Achillodynie, Knickfuß, …

Subkapitale Abstützung

Bei Spreizfüßen, Hallux Rigidus

Die subkapitale (sub = unter) Abstützung wird unter den Mittelfußköpfchen angebracht und nach vor, bis zu den Zehenbeeren gezogen. In verschiedenen Härtegraden angebracht, wirkt sie bei

  • Spreizfuß, indem sie das Quergewölbe des Fußes auch in der Schrittabwicklung aufrichtet
  • Morton-Neurom, indem sie die oberen Bereiche der Gelenke zwischen den Zehen­grund­gelenken öffnet und dadurch Druck, der auf das Neurom wirkt, verringert wird
  • Schwielen unter Mittelfußköpfchen I und V (speziell bei Ballenhohlfüßen), indem sie das mittlere Mittelfußköpfchen anhebt und die Köpfchen I und V dadurch bei der Abrollbewegung des Fußes entlastet werden
  • Hallux Arthrose / Hallux Rigidus, weil dadurch mehr Platz für die Bewegung nach unten bei der Abrollbewegung geschaffen wird und so die Belastung im Großzehen­grundgelenk erst später einsetzt.
  • Und einigen anderen Fehlhaltungen

Grundsätzlich kann man sie nur einsetzen, wenn die Mittelfußköpfchen zueinander beweglich sind.

Vorfuß

retrokapitale Abstützung

Die retrokapitale (retro = hinter) Abstützung wirkt hinter den Mittelfußköpfchen II – IV. Sie unterstützt das Quergewölbe und hebt die Mittelfußköpfchen II – IV in ihre richtige Position. Dadurch werden diese druckentlastet. Außerdem werden die Gelenke zwischen den Mittelfuß­köpfchen I – V wieder in deren normale Position gebracht und Schmerzen und Abnützungen dadurch verhindert. Die Form der retrokapitalen Abstützung in Länge, Breite und Höhe gestalten wir je nach Notwendigkeit.

Wichtigstes Einsatzgebiet sind hier Spreizfüße in allen Varianten. (Nur bei sehr rigiden Spreizfüßen ist Vorsicht geboten).

Vorfuß

Quermetatarsalstütze

Unter einem „Quermeta“ versteht man eine Stütze, die den gesamten Vorfuß hinter den Mittelfußköpfchen I bis V unterstützt. Sie bildet eine leichte (ca. 3 mm) bis mittelhohe (bis zu 8 mm) Stufe. Dadurch können die Mittelfußköpfchen zusätzlich entlastet werden. Sie wird zusätzlich zu einer retrokapitalen Abstützung oder alleine verwendet. Speziell bei Spreizfüßen mit Schwielenbildung im gesamten Mittelfußbereich und bei rigiden und teilrigiden Spreizfüßen wird dieses Element eingesetzt.

Vorfuß

Stufe II - V

Die Stufe II – V entspricht in etwa der Quermetatarsalstütze, nur spart sie den 1. Strahl (unter Großzehe) aus. Dadurch entsteht eine leichte Erhöhung des Außenrandes im Vorfuß und der Fuß wird zwischen Ferse und Ballen in eine leichte Torsion gebracht – im Sinne der Spiraldynamik des Fußes.

Dadurch wird eine leichte Spannung auf die Plantarfaszie und einige Muskeln ausgeübt und die Aufrichtung des Längsgewölbes wird unterstützt. Außerdem werden die Mittelfuß­köpfchen II – V entlastet. Auch dieses Element wird bei Spreizfuß, aber auch bei Knickfuß angewandt.

Vorfuß

Weichlegung im Ballenbereich

Eine Weichlegung im Ballenbereich kann flächig oder punktuell erfolgen, je nach Notwendigkeit. Zusätzlich kann innerhalb der Weichlegung auch mit verschiedenen Härtegraden gearbeitet werden, sodass bestimmte Punkte zusätzlich noch mehr entlastet werden. Grundsätzlich hat eine Weichlegung nur dann einen Sinn, wenn angrenzende Strukturen eine abstützende Wirkung haben.

Nur weich fühlt sich momentan vielleicht angenehm an, bring längerfristig aber nur eine Verschlechterung der Situation – besonders wenn bereits Schmerzen vorliegen. Einsatzgebiete von Weichlegungen sind besonders druckbelastete Regionen am Fuß, oft mit Hornhaut und Schwielenbildung.

Rückfuß

Das Fersenbein (Calcaneus) bildet die grundlegende Säule des Fußgewölbes und der Verspannung der Längsgewölbe. Es trägt im Stehen 90 % des Körpergewichtes (während am Ballen nur 10 % lasten). Wenn das Fersenbein aus seiner geraden Stellung ausbricht, gerät das ganze „Gefüge Fuß“ aus dem Gleichgewicht und als Basis für unsere aufrechte Haltung hat das Auswirkungen auf den gesamten Körper. So ist oft das wichtigste Ziel im Rückfuß, das Fersenbein in seine Ursprungshaltung zu bringen. Je nach Ausgangssituation und Ziel haben Calcaneus (= Fersenbein)-Stützen verschiedene Formen: 

Mediales Element 

Calcaneusstütze

Die kurze Calcaneusstütze unterstützt mit ihrem höchsten Punkt unter dem Fersenbeinbalkon Knickfüße, die sich noch voll aufrichten lassen und bei denen das Längsgewölbe in sich stabil ist, aber das Fersenbein nach innen einknickt (Valgusstellung). Die Verspannung, die sich durch die Torsion des Fußes ergibt (Spiraldynamik) wird wieder hergestellt. Durch diese Unterstützung mit einer Auflagefläche des Fußes auf kleinem Raum wird auch die Muskulatur angeregt. Somit entsteht durch dieses Element eine aktivierende Einlage.

Lange Calcaneus­stütze

(unter sust. Tali)

Die lange Calcaneusstütze mit dem höchsten Punkt unter dem Fersenbeinbalkon hat eine ähnliche Wirkung wie die kurze Calcaneusstütze, kommt jedoch zum Einsatz, wenn das Hauptproblem ein Knickfuß ist, aber das innere Längsgewölbe nicht mehr so tragfähig ist, oder nicht mehr voll aufgerichtet werden kann, der Fuß aber eine gewisse Druckbelastung aushält.

Lange Calcaneus­stütze

(unter Kahnbein)

Die lange Calcaneusstütze mit höchstem Punkt unter dem Kahnbein wird eingesetzt, wenn das ganze Längsgewölbe nachgibt (Senkfuß), weil es an Stabilität verloren hat. Auch bei sehr empfindlichen Füßen (Diabetes, Neuropathie, Durchblutungsstörungen, …) wir dieses Element eingesetzt. In diesen Fällen wird es auch sehr genau der Fußform entsprechend modelliert und nicht mehr als korrigierendes Element sondern als bettendes Element eingesetzt.

Laterales Element

äußeres Längsgewölbe

Der gesunde Fuß hat auch ein äußeres Längsgewölbe, das sich zwischen Fersenbein und Außenballen spannt. Um das Fersenbein außen zu stabilisieren, wird das laterale Element im Bereich der Würfelbeinrinne errichtet. Dadurch wird verhindert, dass das Fersenbein durch die Calcaneusstütze nach außen wegrutscht, ebenso wird einer Überkorrektur des Fersenbeines vorgebeugt und das äußere Längsgewölbe wird unterstützt. Bei Varusstellung (hinausknicken des Fersenbeines oben und des Knöchels) wird dieses Element speziell erhöht.

Fersenpolster

Zur Dämpfung

Speziell im Bereich der Ferse ist es oft notwendig eine Polsterung bzw. Dämpfung anzubringen. Eine entsprechende Polsterung entlastet bei Schmerzen im Bereich des Fersenbeins, wie Fersensporn, Plantarfsziitis, usw. Wichtig dabei ist aber, dass das Fersenbein mit Calcaneusstütze und lateralem Element stabilisiert wird, da die Fehlhaltung sonst durch den weichen Untergrund verstärkt wird. Eine Fersendämpfung entlastet Sprunggelenk, Knie und Hüfte beim Auftreten genauso wie die Wirbelsäule.

Zum Seitenanfang